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Wenn es um Schokolade geht, drängen sich uns Schweizerinnen und Schweizer Bilder von glücklichen Kühen und fetten Alpwiesen vor das innere Auge. Der hauptsächliche Rohstoff für all die süssen Versuchungen kommt jedoch nicht aus den Schweizer Bergen, sondern zum grössten Teil aus Afrika und Südamerika.
Kakao wächst nur in einem engen Gürtel nördlich und südlich des Äquators. Schokoladehersteller mit einer verantwortungsbewussten Unternehmensphilosophie müssen sich deshalb auch ihre Rolle in den Herkunftsländern überlegen. Barry Callebaut, das jährlich 15 Prozent der Kakao-Welternte abnimmt, engagiert sich in erster Linie direkt vor Ort bei den Kakao-Bauern, wie Verwaltungsratspräsident Andreas Jacobs in seinem Vortrag in der Reihe «Sustainability Dialogue with Leaders and Pioneers» erläuterte.
Als Spross einer seit mehreren Generationen aktiven Unternehmerfamilie habe er die Bedeutung des Wortes Nachhaltigkeit bereits in der Kindheit erfahren, sagte Jacobs. Aus der Verantwortung der Familie, die Zukunft der kommenden Generationen zu sichern, habe sich ein tiefes Verständnis für die Nachhaltigkeit herausgeprägt. «Ich bin überzeugt», so Jacobs, «dass es ohne eine auf die Gesellschaft und die Umwelt bezogene verantwortungsbewusste Haltung keinen langfristigen wirtschaftlichen Erfolg geben kann.»
In den Herkunftsländern des Kakao ist Barry Callebaut mit verschiedenen Initiativen präsent, die auf eine Verbesserung der Lebensumstände der Kakaobauern abzielen. In der Elfenbeinküste zum Beispiel werden die Bauern in einem dreijährigen Programm befähigt, ihre Produktionsbedingungen so zu verbessern, dass sie nicht nur mehr, sondern auch qualitativ besseren Kakao anbieten können. Für die Bauern resultiert daraus eine bedeutende Steigerung ihres Einkommens. Barry Callebaut profitiert im Gegenzug vom besseren Rohstoff und kann die Bauern als Lieferanten längerfristig an sich binden.
In anderen Projekten. vornehmlich in Ghana, engagiert sich Barry Callebaut dafür, den Bauern Wohneigentum zu ermöglichen. In Brasilien fördert das Unternehmen den biologischen Anbau von Kakao. Als einer der wenigen grossen Schokoladehersteller, so Jacobs, sei Barry Callebaut zudem auch in den Herkunftsländern selber mit Schokoladefabriken präsent. Dadurch bleibt ein Teil der Wertschöpfung aus den Rohstoffen im Land.
Mit ihrem Engagement übernehmen nachhaltig operierende private Firmen dabei Aufgaben, die eigentlich der Staat übernehmen solle, warf der Journalist Res Strehle in der anschliessenden Fragerunde ein. Das sei zum Teil unvermeidlich, weil in den Ländern schlicht die Institutionen und Infrastrukturen fehlten, die diese Aufgaben bewältigen könnten, erklärte Jacobs. Er sieht die Unternehmen in einer Art Treuhänderrolle, in der sie an Stelle des Staates, aber auch an Stelle des Einzelnen gewisse Grundaufgaben, etwa den Zugang zur medizinischen Versorgung, die Ermöglichung von Wohneigentum, die Altersvorsorge aber auch die Ausbildung und die Sicherstellung von guten Arbeitsbedingungen gewährleisten.
Für Jacobs ist die Berücksichtigung solcher Aufgaben im Umfeld der eigentlichen Geschäftstätigkeit ein entscheidender Erfolgsfaktor für Unternehmen in Afrika. «Wer in Afrika investiert, muss für die Angestellten ein hohes Mass an Nebenleistungen erbringen», so Jacobs. Wenn diese Leistungen, wie etwa das Schulgeld für die Kinder, Transportmöglichkeiten etc., nicht im Geschäftsmodell berücksichtigt würden, drohe die Investition zu scheitern.
In der direkten Förderung der Bauern sieht Jacobs ausserdem eine Möglichkeit, in Konfliktregionen, wie etwa der durch einen Bürgerkrieg geplagten Elfenbeinküste, wirtschaftlich aktiv zu sein, ohne damit indirekt den Krieg zu finanzieren. Sanktionen gegen die Elfenbeinküste würden zwar wahrscheinlich auch den Krieg eindämmen, in erster Linie aber die Existenz zahlreicher Bauernfamilien gefährden, sagte Jacobs auf eine entsprechende Frage von Jörg Alois Reding, Leiter des Bereichs Wirtschaftliche Zusammenarbeit des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco).
Martin Rohner, Geschäftsführer der Max Havelaar Stiftung stellte die Frage nach der Breitenwirkung der genannten Projekte, da sie nur einen kleinen Teil der von Barry Callebaut jährlich benötigten Kakao-Menge beträfen. Jacobs verwies auf die noch relativ junge Geschichte von Barry Callebaut in seiner heutigen Form und auf die Pionierrolle der Projekte. Ziel sei es aber, mit den Initiativen mehr Breitenwirkung zu schaffen so Jacobs. Denn schliesslich soll die Schokolade nicht nur den Konsumenten im Westen, sondern auch den Bauern das Leben versüssen können.