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Auf dem Weg zum World Economic Forum in Davos machte gestern Joseph Stiglitz an der Universität Zürich Zwischenstation, um einer Einladung durch UZH-Professor Stefano Battiston vom Institut für Banking und Finance der UZH zu folgen. Der Titel seines Vortrags in der Aula lautete «Financial Complexity and Climate Change». Stiglitz thematisierte dabei, wie die Weltwirtschaft sich durch einen geringeren CO2-Verbrauch verändern könnte.
Rektor Michael Hengartner begrüsste den vielfach geehrten Gast und würdigte seine Leistungen: Stiglitz trage vierzig Ehrendoktortitel und habe mehr publiziert als manch anderer Wissenschaftler seines Alters an Zitationen aufzuweisen habe.
Es gebe aber auch gute Neuigkeiten, so der Wirtschaftsprofessor. Der Umbau der globalen Ökonomie werde auf Dauer die Wirtschaft stimulieren sowie Wachstum und Erwerbstätigkeit verbessern. Auch das Entstehen neuer Institutionen stimme ihn optimistisch – etwa die Gründung der «Brics Bank», einer Entwicklungsbank, die von den BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika als eine Alternative zu den bereits existierenden Institutionen Weltbank und Internationaler Währungsfonds gegründet wurde. Sie soll vorrangig der Finanzierung von Entwicklungs- und Infrastrukturprojekten innerhalb der fünf BRICS-Staaten dienen.
Stiglitz liess erkennen, dass er grosse Hoffnungen in die Beschlüsse des Pariser Klimagipfels im vergangenen Dezember setzt. «Wenn es die Welt schafft, die 2-Grad-Grenze einzuhalten, dann wird sie die bisherigen Öl- und Gasreserven nicht mehr voll ausschöpfen müssen», sagte Stiglitz. Das werde grosse Verschiebungen in der Wirtschaft zur Folge haben, prognostizierte er. Der Markt für fossile Brennstoffe werde einbrechen – darauf müssten sich die Unternehmen gefasst machen. Noch sei unklar, wann und wie schnell der Markt dieses Phänomen aufnehme und korrigiere. «Aber er wird korrigieren». Das wiederum könne eine Kettenreaktion im Finanzsystem auslösen.
Die Vernetzung von Banken und Firmen, die in der fossilen Energiewirtschaft tätig seien, sieht der Wirtschaftswissenschaftler als ein grosses Risiko. Es sei nötig, Transparenz in diese Netzwerke zu bringen. Hier seien die Wirtschaftswissenschaften gefragt, meinte Stiglitz und verwies auf die Forschung seines UZH-Kollegen Stefan Battiston, der die Netzwerkeffekte und gegenseitigen Abhängigkeiten von Finanzmarktakteuren untersucht. Eine Frage aus dem Publikum, wie seine Ideen verwirklicht werden könnten, beantwortete Stiglitz mit den knappen Worten: «Das ist eine Frage der politischen Umsetzung».