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Der Komponist Anton Bruckner hat mit Ludwig van Beethoven mindestens eine Gemeinsamkeit: Wie der Meister aus Bonn hat der Österreicher neun Sinfonien geschrieben. Bruckners Neunte stand vergangenen Freitag in der Zürcher Tonhalle auf dem Konzertprogramm des Akademischen Orchesters Zürich (AOZ) – zusammen mit Beethovens Konzert für Klavier, Violine und Violoncello. Ein ambitioniertes Vorhaben für ein Orchester, das sich weitgehend aus Amateurmusikerinnen und -musikern – Studierenden und Assistierenden der Universität und der ETH Zürich notabene – zusammensetzt.
Anton Bruckners neunte Sinfonie in D-Moll ist ein Monumentalwerk für einen wuchtigen Orchesterapparat. Der Komponist und Wagner-Verehrer (1824-1896) widmete es keinem geringeren als «dem lieben Gott». Und in der Tat: In seinem letzten grossen Orchesterwerk baut sich der Klangarchitekt aus Linz eine Art sinfonische Kathedrale. Im mit «Feierlich. Misterioso» überschrieben Kopfsatz etwa schichtet er massige, zuweilen dissonante Klangtürme in Schwindel erregende Höhen. Oder er durchmisst gewaltige, düster-misteriöse Klangräume. Bruckners «Kathedrale» ist allerdings unvollendet geblieben. Bis zu seinem Tod schrieb der Komponist am Finale seiner letzten Sinfonie, das aber über die Entwurfsphase nie hinausgekommen ist. So ist die Neunte dreisätzig geblieben – eine «vollendete Unvollendete», wie Interpreten des Werks schon bemerkten.
Weite Spannungsbögen und eine komplexe kompositorische Struktur: An Anton Bruckners D-Moll-Sinfonie könnte sich ein Amateurorchester leicht die Finger verbrennen. Doch das AOZ meisterte das Monumentalwerk mit Bravur. Wie ein Zauberlehrling, der die musikalischen Urkräfte, die Bruckner in seiner Partitur bannte, zu beschwören schien, stand Johannes Schlaefli vor dem Orchester. Sicher dirigierte er seineMusikerinnen und Musiker durch die schroffen Klangklippen des zwischen konsonantem Pathos und dramatischer Dissonanz hin und her pendelnden, kontrastreichen ersten Satzes. Frischund beherzt interpretierte das Orchester die archaische Rhythmik des zweiten Satzes, der wie ein Vorbote auf Igor Strawinskys «Sacre du Printemps» anmutet. Bewegend auch das melancholische Adagio, das Bruckner selbst als sein «Abschied vom Leben» bezeichnete. Eine durch und durch überzeugende Leistung des Orchesters. Da sind zeitweilige Unsicherheiten bei den Bläsern etwa – oder Streicher, die sich in manchen Passagen etwas dominant in den Vordergrund spielten, kaum der Rede wert.
Als verlässlicher Partner für die Solisten zeigte sich das AOZ zuvor in Ludwig van Beethovens (1770-1827) Konzert für Klavier, Violine und Violoncello. Beethovens sogenanntes Tripelkonzert von 1803/4 gehört sicher nicht zu seinen Meisterwerken. Es steht deshalb auch im Schatten etwa des Violonkonzerts oder der fünf Klavierkonzerte.
Im Zentrum der Komposition steht das teilweise fast kammermusikalisch agierende Klaviertrio. Es ist der Dreh- und Angelpunkt, von dem aus Beethoven einen vielstimmigen und – für ihn eher untypischen – unbeschwerten Dialog zwischen den Solostimmen– Benjamin Engeli (Klavier), Daria Zappa (Violine) und Mattia Zappa (Cello) – und zwischen Solisten und Orchester entwickelt. Ein süffig-leichtes Vergnügen, das im grösstmöglichen Kontrast zum faszinierenden Pathos von Bruckners Neunten stand.